Griechenland, 2016 und 2020-heute.

Projekt Thessaloniki.

Hilfe zur Selbsthilfe für Geflohene.

 

Im April 2016, als die Situation an der griechisch-mazedonischen Grenze eskalierte, machte sich der Frankenkonvoi (Tom und Katy) auf den Weg, um in Idomeni (kleiner Grenzort direkt an der Grenze zu Mazedonien) zu helfen. Dort hatten sich, seit der Grenzschließung im Herbst 2015, bis zu 15 000 Menschen auf Feldern versammelt, um weiter Richtung Europa zu „reisen“.

 

Die Situation war, vor allem über den Winter, dramatisch und viele Menschen verzweifelten.

 

Der ehemalige CDU Politiker Norbert Blüm hatte im Januar eine Nacht in Idomeni in einem kleinen Zelt übernachtet, um auf die menschenunwürdige Situation mitten in Europa aufmerksam zu machen; Ei Weiwei, der bekannte chinesische Künstler, hat in Idomeni eine Kunstaktion gestartet, um ebenfalls Aufmerksamkeit zu generieren. Die Bilder des kleinen Grenzbahnhofs in Idomeni gingen um die Welt und Europa zeigte seine menschenunwürdige Abschottungspolitik.

 

Dies waren die Vorgaben, die Tom und Katy in die Region trieben.

 

Es wurde eine Amazon Wunschliste erstellt, auf der Materialien für eine Teeküche gesammelt werden konnten und innerhalb einer Woche war der Frankenkonvoi Van gefüllt mit Gaskochern, Töpfen, Einmalbechern, Tee, Zucker etc., etc. Die Spendenbereitschaft war noch immer beeindruckend, trotz des Stimmungswandels um das Silvesterereignisses in Köln, was besonders die Populisten in Deutschland auf den Plan rief.

 

Die Fahrt ging über den Balkan und ein bosnischer Freund, der zu dieser Zeit in München lebte, half immens bei diversen Grenzüberquerungen. Besonders beim Verlassen der EU von Kroatien nach Serbien war er eine große Hilfe.

 

Angekommen in der Region fuhren wir zunächst in den Ort Polikastro. Wie wir aus unserem Netzwerk durch die immer nötige Vorrecherche wussten, gab es dort das Parkhotel. Fast alle Aktivisten aus Idomeni hatten dort einen Schlafplatz und es gab sogar ein Headquarter, welches die Hilfe der vielen Freiwilligen versuchte zu synchronisieren. Obwohl bei unserer Ankunft alle Zimmer mehrfach belegt waren, ließ man uns und viele andere in der „Lobby“ des Hotels übernachten. Am kommenden Tag fuhren wir dann erstmals nach Idomeni, um einen Platz für unser Vorhaben zu finden und um uns, gegebenenfalls, einer Orga anzuschließen.

 

Trotz der mehr als inhumanen Situation, die dort vorherrschte, konnten wir feststellen, dass die Helferstrukturen in Idomeni sehr gut aufgestellt waren. Also fuhren wir weitere, kleinere Hotspots in der Gegend an. An einer Tankstelle nah an Polikastro, wo wir unseren Tank auffüllen wollten, kam dann der Schock. Die Tankstelle war ebenfalls ein wildes „Camp“. Bis zu 2000 Personen, vorwiegend syrische Kurden, hatten sich auf dem Tankstellengelände eingefunden und „lebten“ dort in Zelten. Eine Station der „Ärzte ohne Grenzen“ (eine der tollen Großen, die man überall finden kann) hatte eine „Essensausgabe“ am Eingang der Tankstelle errichtet.

 

Wir stiegen aus und sahen uns um. Ein paar „wilde“ Helfer hatten teilweise schon Strukturen aufgebaut und einmal täglich kamen die Helfer aus Idomeni und brachten ein paar Brote, etwas Obst oder ein wenig Trinkbares, was bei den Verteilungen in Idomeni übrig blieb.

 

Wir sprachen uns mit einer Engländerin ab, ob unsere „Idee“ hier wohl einen Platz haben könnte und sofort war die Begeisterung groß.

 

Einen einzigen Pavillon konnten wir im nahe gelegenen Kilkis noch ergattern, denn sämtliche Ressourcen, die für die Hilfe nötig sind, waren wegen Idomeni ausverkauft.

 

Als wir dann zu dritt anfingen, mit dem Pavillon und einem kleinen Zelt etwas auf zu bauen, dauerte es nur Minuten, bis eine Menge helfender Hände aus Reihen der Geflohenen anpackten. Sogar zwei größere Zelte wurden organisiert und flugs stand eine improvisierte Küche.

 

Als wir unsere Gaskocher und Töpfe auspackten, stand plötzlich Husam neben uns. Ein syrischer Familienvater, der mit seinen 4 Kindern und seiner Frau auf der Tanke „lebte“. Wie sich später heraus stellte, hatte Husam in Aleppo ein Restaurant mit bis zu 200 Plätzen geleitet. Er war Koch und das war die Steilvorlage.

 

Wir besorgten sofort die nötigen Zutaten nach Husams Einkaufsliste und er machte sich mit einer aus dem Nichts entstandenen Mannschaft ans „Schnippeln“ und Vorbereiten des Gemüses. Es wurde eine Suppe gekocht, ganz nach den Bedürfnissen der Menschen.

 

Die ersten beiden Tage war viel Improvisationstalent gefragt, jedoch halfen uns dabei vor allem die, die in Not leben. Eine einprägende Erfahrung, die ganz nach unserem Sinne „Hilfe zur Selbsthilfe“ funktionierte.

 

Die Küche wurde bis zum Herbst des Jahres 2016, auch nachdem die Geflohenen in Thessaloniki (Vasilika) in eine ehemalige Hühnerfarm umzogen, die seit 30 Jahren nicht benutzt wurde, betrieben.

 

Viele Kontakte aus dieser Zeit bilden noch heute Netzwerkpunkte. Die Idee und Notwendigkeit, die Hilfe von Tom als Privatperson zu professionalisieren, lag klar auf der Hand und so entstand parallel zu der Hilfe der Verein Frankenkonvoi e.V. zusammen mit Freunden in der Heimat.

 

Heute noch arbeiten wir zusammen mit einem italienischen Freund, den wir in diesen Tagen kennenlernen durften, zusammen. Seine entstandene Organisation QRT (Quick Response Team) arbeitet seit 2016 permanent an der Verbesserung der Situation der Geflohenen in und um Thessaloniki. Und als wir Maurizio durch einen Zufall im Februar 2020 (ganz kurz vor Pandemiebeginn) wieder trafen, war klar, wir arbeiten wieder zusammen. Seither unterstützen wir QRT aus Franken mit Hilfsgütern und planen für die Zukunft noch engere Zusammenarbeit. Denn die Situation der Geflohenen und anerkannten Flüchtlinge in Griechenland ist, auch wenn die Medienpräsenz lange auf andere Dramen fixiert ist, mehr als inhuman.

 

Mehr Berichte zu diesem Projekt findet ihr unter der Kategorie „Thessaloniki“.

Fotos: Privat

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